Kofo am 12.02.03                   

  Von der Schule bis zur Rente:

Hilfen im Arbeitsleben

Die Arbeit der Integrationsfachdienste

ReferentInnen: Christian Schausen (IFD Aachen), Sabine Schlüß (IFD Essen), Daniela Dürr (IFD Wuppertal)

Über 100 Gäste waren gekommen, um sich über die Aufgaben der neuen Integrationsfachdienste zu informieren – die Mensa des Internats war bis auf den letzten Platz besetzt.

Die Moderation an diesem Kofo-Abend teilten sich Ilse Grinz und Winny Stenner. Unsere Gebärdensprachdolmetscherinnen waren Bastienne Rehe und Magdalena Meisen-Jelas. Als unermüdliche Schreibdolmetscherin war Gisela Kaul im Einsatz.

Christian Schausen begann mit einer kurzen Einführung in die Geschichte der IFD: Bis zum Herbst 2000 gab es in Deutschland nur den Berufsbegleitenden Dienst für Schwerbehinderte. Er half bei Problemen am Arbeitsplatz. Für schwerbehinderte Arbeitslose gab es kein besonderes Beratungsangebot. Auch für die Berufsberatung schwerbehinderter Schulabgänger gab es nicht überall qualifizierte Berater. Im Oktober 2000 wurde das Schwerbehindertenrecht geändert und eine neue Einrichtung geschaffen: die Integrationsfachdienste (IFD). Seitdem sind in vielen Städten Integrationsfachdienste entstanden.Ihre Organisation und ihre Aufgaben sind aber bundesweit unterschiedlich.

Die folgende Organisation gilt für den Landschaftsverband Rheinland.

Hier gibt es in 5 Städten Integrationsfachdienste für hörbehinderte Menschen. Sie sind aufgeteilt in 3 Fachbereiche:

Integrationsfachdienste für Menschen mit Hörbehinderung

im Bereich des Landschaftsverbandes Rheinland

IFD Aachen - IFD Düsseldorf - IFD Essen - IFD Köln - IFD Wuppertal

 

Fachbereich Berufsvorbereitung

Auftraggeber: Integrationsamt

Fachbereich Vermittlung

Auftraggeber: Arbeitsamt

Fachbereich Berufsbegleitung

Auftraggeber: Integrationsamt

Anschließend stellten die drei FachberaterInnen ihre Aufgabenbereiche vor. Für alle Bereiche gilt: Die Angebote sind freiwillig und kostenlos. Die MitarbeiterInnen haben Schweigepflicht.

  1.     Fachbereich Berufsvorbereitung (Sabine Schlüß)

Nach der Einführung des SGB IX merkte man schnell, dass Schüler, Mitarbeiter von Werkstätten für Behinderte und psychisch kranke Menschen nicht durch die neuen IFD beraten werden konnten. Deshalb wurde im Bereich des LVR (Landschaftsverbandes Rheinland) innerhalb der IFD ein eigener Dienst geschaffen: die Berufsvorbereitung. In Köln, Aachen und Essen wurde jeweils eine Beraterin für diese Aufgabe eingestellt. Die BeraterInnen sind für das ganze Rheinland zuständig. Sie sollen in Zusammenarbeit mit Schule und Arbeitsamt die Schüler bei der Berufswahl beraten und berufsvorbereitende Maßnahmen einleiten (Arbeitstraining oder Praktikum).

Weitere Aufgaben der Berufsvorbereitung sind:

  • Informationen über Rechte und Pflichten eines Auszubildenden

  • Unterstützung bei der Beantragung eines Schwerbehindertenausweises

  • Beratung von Hörgeschädigten mit zusätzlichen Behinderungen, z.B. Usher-Syndrom

  • Beratung von hörgeschädigten Mitarbeitern in den Werkstätten für Behinderte, wenn sie eine Arbeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt aufnehmen möchten.

Die Beraterinnen bieten monatliche Sprechstunden in den Schulen für Hörgeschädigte an.

2.     Fachbereich Berufsbegleitung (Daniela Dürr)

Dieser Fachbereich entspricht den früheren Berufsbegleitenden Diensten.

Die Aufgaben sind:

  • Beratung, Begleitung und Unterstützung am Arbeitsplatz für    Gehörlose, ihre Kollegen und Arbeitgeber

  • Unterstützung bei Kommunikationsschwierigkeiten

  • Hilfe bei drohender Kündigung oder bei Abmahnung

  • Lösungssuche bei Unterforderung oder Überforderung am Arbeitsplatz

  • Weiterbildung und Qualifizierung im Beruf

Weitere Aufgaben:

  • Hilfe beim Ausfüllen von Formularen und Schreiben von Anträgen

  • Vermittlung von GebärdensprachdolmetscherInnen

  • Vermittlung bei Ämtern in Zusammenhang mit dem Arbeitsleben

3.     Fachbereich Vermittlung (Christian Schausen)

Aufgaben dieses Dienstes sind:

  • Beratung hörgeschädigter Arbeitsloser und von Arbeitslosigkeit Bedrohter

  • Hilfe bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz

  • Akquisition (= Gewinnung) von neuen Arbeitsplätzen für Hörgeschädigte, Werbung bei Firmen

  • Beratung bei der Bewerbung

  • Begleitung zu Vorstellungsgesprächen

 

Weitere Aufgaben:

  • Beratung von Arbeitgebern bei der Einstellung, Vermittlung von Hilfen durch Arbeitsamt und Integrationsamt

  • Erste Begleitung und Beratung von Arbeitnehmer und Arbeitgeber bei einem neuen Arbeitsplatz.

 

Nach dieser kurzen Vorstellung begann eine lange und interessante Diskussion:

Gibt es schon Zahlen ? Wie viele Betroffene haben sich an den Integrationsfachdienst gewandt ?

Nein, die Dienste sind zum Teil noch jung. Wir sammeln zur Zeit Daten.

Wie sehen die Erfahrungen aus ?

Berufsbegleitung: Diesen Dienst gibt es im Rheinland seit 15 Jahren. Er wird gut akzeptiert.  Er ist für Gehörlose zuständig, es kommen aber auch Schwerhörige. Vermittlung: Dieser Dienst wird immer wichtiger, weil die Arbeitslosigkeit steigt.

Vorbereitung: Diese Stelle gibt es erst seit anderthalb Jahren. Die Zusammenarbeit mit den Schulen hat gerade erst angefangen. Die Mitarbeiter beraten auch gemeinsam mit den Arbeitsämtern und können den Arbeitgebern Hilfestellungen geben.

Es gibt schon Einrichtungen, die im Bereich der Vorbereitung arbeiten, z.B. das Bildungszentrum in Essen und die Organisation „Überblick“. Überschneiden sich die Aufgabenbereiche und gibt es Konkurrenz ?

Nein, es gibt keine Konkurrenz. Wir haben mit den bestehenden Organisationen Kontakt aufgenommen, bieten ergänzende Hilfen an und übernehmen in Absprache bestimmte Aufgaben.

Ich habe mit dem Chef Probleme, ich habe Angst, er feuert mich bald. Was kann ich tun ?

Sie können zu uns kommen, wir haben Schweigepflicht. Vielleicht ist diese Beratung schon ausreichend. Wenn Sie es wünschen, bitten wir in der Firma um ein Gespräch. Meistens ist der Arbeitgeber einverstanden. Wir kommen mit Gebärdensprachdolmet-scher. Bei Kommunikationsproblemen können wir Hilfen anbieten, z.B. Kollegenseminare oder den Einsatz von Dolmetschern für eine bestimmte Zeit.

Setzen Sie bei Schwerhörigen oder Ertaubten auch Schriftdolmetscher ein ?

Nein, noch nicht. Aber wir beraten im kleinen Kreis oder in Einzelgesprächen. Wir können Gehörlosen, Schwerhörigen und Ertaubten anbieten, Teambesprechungen anhand von Protokollen nach zu besprechen.

Jemand arbeitet 20 Jahre in der Firma und ertaubt zwischen 40 und 50. Sein Arbeitsplatz ist dadurch bedroht. Wie kann der IFD helfen ?

Wir vermitteln Absehkurse, Gebärdensprachkurse oder eine Reha-Maßnahme in Rendsburg. Wir bieten auch psychologische Beratung für den Betroffenen an und können die Kollegen über eine angepasste Kommunikation informieren.

Wie lange braucht der IFD, um einen Arbeitsplatz zu vermitteln ? Wie hoch ist die Erfolgsrate ?

Das Arbeitsamt weist uns die arbeitssuchenden Hörgeschädigten zu. Diese Zuweisung gilt für 6 Monate. In dieser Zeit kann der Vermittler in Zusammenarbeit mit dem Arbeitslosen einen Arbeitsplatz suchen. Eine Verlängerung auf weitere 6 Monate ist möglich, wenn gute Aussichten auf Vermittlung bestehen. Er kann Trainingsmaßnahmen und Probearbeitsmaßnahmen vermitteln. 70 – 80 Prozent der Arbeitslosen erhalten dadurch einen Arbeitsplatz.

Was kann man bei einer Kündigung machen ?

Auch Schwerbehinderte können in den ersten 6 Monaten ohne Gründe gekündigt werden. Danach muss der Arbeitgeber einen Antrag beim Integrationsamt stellen und die Kündigungsgründe nennen. Das Integrationsamt prüft, ob Hilfen bei der Kommunikation, Umrüstung von Maschinen oder Weiterqualifizierung des Arbeitnehmers erforderlich sind. Bei schlechter Auftragslage oder persönlichem Fehlverhalten kann das Integrationsamt einer Kündigung zustimmen. Besser ist es, vor einer Kündigung den Integrationsfachdienst einzuschalten.

Ich bin seit Februar arbeitslos und stelle es mir schwierig vor, mit dem IFD auf Arbeitssuche zu gehen. Ich möchte nicht „mit Betreuer“ kommen und hilflos erscheinen.

Jeder Arbeitslose kann selbst entscheiden, ob ein Berater mitkommen soll. Die Leistung ist freiwillig. Der IFD-Berater kommt nicht nur für den Arbeitnehmer, sondern auch für den Arbeitgeber und informiert ihn über mögliche Leistungen (z.B. Lohnkostenzuschüsse).

Kann der IFD auch Arbeitsassistenz vermitteln ?

Arbeitsassistenz ist eine „nachrangige Leistung“ – zuerst muss man prüfen, was mit technischen Hilfsmitteln und Dolmetschern möglich ist.  Es gibt eine finanzielle Obergrenze. Arbeitsassistenz ist gedacht für einfache Hilfstätigkeiten. Der Einsatz von Gebärdensprachdolmetschern im Rahmen von Arbeitsassisstenz ist auch schwierig, weil die finanzielle Unterstützung durch das Integrationsamt an Arbeitsstunden gebunden ist. Der Stundenlohn entspricht nicht den Löhnen der Dolmetscher. Bisher wurden aber vereinzelt Stellen für Telefondolmetscher geschaffen. Die Gelder vom Integrationsamt für Arbeitsassistenz müssen selbst verwaltet und auch abgerechnet werden.

AnsprechpartnerInnen:

IFD Essen

Sabine Schlüß, Gudrun Kunick, Sibylle Mihm-van der Voort, Monika Linden, Andrea Knipping

Simsonstr. 29, 45147 Essen

Fax zentral: 0201/702660 , Mail zentral: ifd.lvgl@t-online.de

 

 

IFD Aachen

Christian Schausen, Monika Johann, Norbert Hesselmann

Krefelder Str. 147, 52070 Aachen

Fax zentral: 0241/911634 ; Mail:   ifd.schausen@hgz-aachen.de; ifd.hesselmann@hgz-aachen.de ; ifd.johann@hgz-aachen.de

 

IFD Köln

Tatjana Mundhenk, Volker Wilfert, Daniela Wyink, Aline Porten, Peter Lubenow, Jürgen Reichelt, Ralf Obert, Sabine Stange, Herr Heinrichs (Geschäftsführer)

Lupusstr. 22, 50670 Köln

Fax zentral: 0221/2943-500, Mail zentral: h.heinrichs@ifd-koeln.de

 

IFD Wuppertal

Daniela Dürr

Wesendonkstr. 7, 42103 Wuppertal

Fax: 0202/25516-18, Mail: bbd-fuer-gehoerlose-wuppertal@gmx.de

 

IFD Düsseldorf

Jutta Mones, Heike Felder

Klosterstr. 47, 40211 Düsseldorf

Fax: 0211/3860-624, Mail: mones.ifd-gl@gmx.de ; felder.ifd-gl@gmx.de  

 

 

 

Text: Helga Ulbricht

Bilder: Frank Brüggemann

 

Ilse Grinz begrüßt die Gäste

Christian Schausen berichtet über die Geschichte der IFD

Christian Schausen

die Moderatorinnen Ilse Grinz und Winny Stenner

Sabine Schlüss berichtet zum Thema Berufsvorbereitung

ein interessiertes Publikum

Schreibdolmi Gisela Kaul mit 2 "Azubis"

Daniela Dürr berichtet zum Thema Berufsbegleitung

DGS-Dolmetscherin Bastienne Rehe

Pause

Pause

Fragen aus dem Publikum

Moderatorin Winny Stenner

Fragen aus dem Publikum

Moderatorin Ilse Grinz verabschiedet die Gäste