Kofo am 8.01.03

 

„Rentenreform und Grundsicherung“

Referent: Dirk R. Schuchardt (Landesversicherungsanstalt Rheinprovinz)

An diesem Kofo-Abend rechneten wir mit wenig Gästen. Die Temperaturen waren eisig und die Straßen glatt. Trotzdem haben sich mehr als 40 Besucher eingefunden.

Leider fiel uns zu spät ein: Glühwein und Tee wären die richtigen Begrüßungsgetränke gewesen. Wenn es im Februar wieder so kalt ist, werden wir an heiße Getränke denken!

Unter den Besuchern waren viele ältere Gäste, aber auch einige jüngere. Das hat uns gefreut, denn für junge Leute ist es schwer zu verstehen, dass das Thema „Rente“ jetzt schon wichtig ist. 

Der Referent Dirk Schuchardt brachte in seinem interessanten und lebendigen Vortrag (unterstützt durch Powerpoint) eine umfassende Information über die Organisation der Rentenversicherung und über neue Renten-Gesetze: Rentenreform, Grundsicherung und Renteninformation.

Es ist unmöglich, diesen umfangreichen Vortrag hier kurz zusammenzufassen.

Deshalb beschränke ich mich hier auf zwei aktuelle Bereiche: Renteninformation und Grundsicherung.

Dirk R. Schuchardt (Landesversicherungsanstalt Rheinprovinz)


Renteninformation:
 

Jede/r Versicherte (ab 27 und schon 5 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt) bekommt ab 2004 jedes Jahr eine Renteninformation. Man muss aufpassen: Der Brief kommt nicht von einer privaten Versicherung. Es ist keine Werbung! In der Renteninformation steht: 

 

-    Wie hoch ist meine Rente, wenn ich jetzt nicht mehr arbeite ?

-    Wie hoch ist meine Rente ab 65 Jahre, wenn mein Lohn gleich bleibt  (Hochrechnung) ?

Aber Vorsicht: Wenn man arbeitslos wird, weniger verdient, mit der Arbeit aufhört (z.B. Kinder betreuen, Angehörige pflegen), stimmt die Hochrechnung nicht mehr.

-    Wie hoch ist meine Rente, wenn ich so schwer krank bin, dass ich nicht mehr arbeiten kann („Erwerbsgemindert“)?

In der DGZ 1/2001 kann man eine ausführliche Erklärung zur Renteninformation nachlesen.

 

Dirk Schuchardt bietet jetzt schon eine persönliche Renteninformation an:

Sie können hier das Formular herunterladen und per Brief, Fax oder E-Mail an die LVA Rheinprovinz schicken: Formular herunterladen

Wenn Sie einen Beratungstermin bei der Rentenversicherung haben, müssen Sie diese Unterlagen (im Original) mitbringen:

-    Gültiger Personalausweis

-    Schulzeugnisse und Studienbescheinigungen ab dem 16. Geburtstag

-    Ausbildungsvertrag und Berufsabschlusszeugnis

-    Geburtsurkunden der Kinder

-    Versicherungskarte / Beitragsunterlagen

Wichtig: Jeder Versicherte muss alle Daten lückenlos sammeln: Ausbildung (mit Ausbildungsvertrag und Gesellenbrief nachweisen), Berufstätigkeit, Arbeitslosigkeit, Kindererziehung.

Zuschauer

Grundsicherung:

Bisher haben sich manche alte Menschen mit wenig Rente geschämt, zum Sozialamt zu gehen. Sie hatten auch Angst, dass das Sozialamt die Sozialhilfe von ihren Kindern zurückholt.

Deshalb gibt es seit dem 1.Januar 2003 die „bedarfsorientierte Grundsicherung“. Sie ist keine „Grundrente“. Sie soll Rentnerinnen und Rentner vor Altersarmut schützen. Die Grundsicherung ist ein Zuschuss. Sie wird nicht von den Kindern zurückgefordert (Ausnahme: ein Kind verdient über 100.000 Euro/Jahr).

Die Grundsicherung ist 15 % höher als die Sozialhilfe. Die Städte zahlen die Grundsicherung. Sie haben dafür neue Grundsicherungsämter eingerichtet. Dort muss man den Antrag stellen. Wichtig: Die Grundsicherung wird nicht rückwirkend gezahlt.

(siehe auch Dirk Schuchardt „Grundsicherung statt Sozialhilfe“ DGZ 11/2002)

Während des Vortrags und in der Diskussion gab es zahlreiche Fragen. Zum Teil hatten die Fragesteller private

Informationswünsche. Ich nenne hier 3 Fragen, die allgemein interessant sind:

· Wir sollen länger arbeiten, damit die Rentenversicherung mehr Beitragszahler hat. Aber die Wirtschaft drängt die älteren Arbeitnehmer raus. Das ist doch ein Widerspruch !

Ja. Nur langsam begreifen die Firmen, dass auch ältere Arbeitnehmer mit ihren Erfahrungen wichtig sind.

Einige Arbeitnehmer können aber nicht bis 65 oder länger arbeiten. Das hängt auch vom Beruf ab. Ein Bauarbeiter kann nicht so lange arbeiten wie ein Angestellter im Büro.


links: Dirk R. Schuchardt rechts: DGS-Dolmetscher St. Klefeker


· Warum müssen Frauen jetzt genau so lange arbeiten wie Männer ? Warum gibt es immer mehr Verschlechterungen in der Rentenversicherung ?
(Früher konnten Frauen mit 60 Jahren in Rente gehen, jetzt mit 65).

Das ist eine politische Entscheidung. Genau wie andere Rentengesetze.

Das Rentensystem ist davon abhängig: Viele Arbeitnehmer zahlen möglichst lange Beitrag. Früher hat man jung angefangen zu arbeiten (z.T. mit 13 oder 14 Jahren). Die Rentenzeit war kurz. Heute beginnt man später zu arbeiten und lebt länger. Kürzere Beitragszeiten und längere Rentenzeiten – das kann das Rentensystem nicht tragen. Deshalb gibt es überall Einschnitte.

· Wann lohnt sich die Riester-Rente ?
Die Riester-Rente lohnt sich besonders für Familien mit Kindern und geringem Einkommen.

Man muss die Riester-Rente bei privaten Versicherungsgesellschaften / Banken abschließen. Deshalb muss man alle Angebote kritisch prüfen.

Die beste Altersvorsorge ist immer noch: Eigentum erwerben und im Alter mietfrei wohnen.

Ein Vorteil: junge Menschen machen sich Gedanken über ihre Altersvorsorge. Sie zählen deshalb zu den „Gewinnern“ der Rentenreform: sie haben genug Zeit, ausreichend vorzusorgen – sie sollten es aber auch tun.

Weitere Informationen:

· Beratungen bei den Rentenversicherungsträgern: Die Dolmetscherkosten werden auf Antrag übernommen (Sozialgesetzbuch IX). Bisher hat aber noch niemand davon Gebrauch gemacht ! (Erfahrung der LVA Rheinprovinz Essen).

Für diese Beratung soll man mitbringen: Personalausweis, Schulzeugnisse, Geburtsurkunden der Kinder (alle Urkunden im Original, die Versicherungsanstalt macht Kopien).

In Essen berät: Dirk R. Schuchardt, Service-Zentrum Essen der LVA Rheinprovinz, Hindenburgstr. 88, 45127 Essen, Fax: (0201)1898-1961. Keine Beratung in Gebärdensprache!

·Der Versichertenälteste1 Josef-Franz Krettek war ebenfalls im Kofo anwesend. Er bietet Beratungen und Hilfe bei Anträgen in Gebärdensprache an (regelmäßige Sprechstunden im Gewerkschaftshaus in Düsseldorf).

Fax: (0211) 953-2623       Schreib-Tel: (0211) 953-3503

Mail: josef.krettek@daimlerchrysler.com

vorne: Josef-Franz Krettek

 

Internetseiten zum Thema „Rente“:

www.IHRE-Vorsorge.de (beste Website)

www.lva-rheinprovinz.de

www.lva-westfalen.de

http://www.bfa.de/

www.renteninformation-online.de

 

1 Versichertenälteste arbeiten ehrenamtlich. Sie beraten bei Rentenanträgen, helfen beim Ausfüllen der Formulare und prüfen, ob die Unterlagen vollständig sind.

Text: Helga Ulbricht

Fotos: Frank Brüggemann und Helga Ulbricht